Igel gesucht

Igel unter Druck?

Als Folge der Intensivierung der Landwirtschaft leben heute mehr Igel in Wohn­quartieren von Dörfern und Städten als in ländlichen Gebieten. In den letzten Jahren mehrten sich jedoch die Hinweise, dass die Igelpopulationen im Siedlungsraum abgenommen haben und dass heute weit weniger Igel in Wohnquartieren des Schweizer Mittellandes leben als noch vor 20 Jahren. Zwei Projekte aus Zürich und St.Gallen aus den Jahren 2016 und 2017 zeigen Lücken in der Ver­breitung der Igel in den beiden Städten, die anhand der Siedlungsstruktur nicht erklärt werden kann. In Zürich ist ein Arealverlust bei den Igeln von 17% im Vergleich zur Ver­breitung Anfang der 1990er Jahre und ein Rückgang der Igelpopulation um 40% zu verzeichnen. Studien aus Grossbritannien zeigen ebenfalls einen markanten, kontinuierlichen Rückgang.

Wie steht es um die Igel aus gesamtschweizerischer Sicht?

Dieser Frage gingen wir im Projekt „Igel gesucht“ 2018 nach. Ziel war, eine Verbreitungskarte der Igel in der Schweiz bereitzustellen und die Datenbasis zu schaffen, um die zukünftige Entwicklung der Igelpopulation weiter untersuchen zu können. Die Auswertungen sollten zudem aufzeigen, ob der Anteil des Siedlungsraums in einer Untersuchungsfläche einen Einfluss auf das Vorkommen von Igeln hat. Mit der Möglichkeit, im Projekt mitzuwirken, sollte die Bevölkerung für Igel und andere Wildtiere in Siedlungsgebieten sensibilisiert werden.

Ein Beispiel von Igelspuren auf dem Papierstreifen und einer leeren Köderschale auf der Einlage des Spurentunnels.

Im Rahmen des Projekts „Igel gesucht“ wurde die Schweizer Bevölkerung über Medienmitteilungen und einer Plakataktion in Naturmuseen der Schweiz aufgerufen, Igel und andere Wildtiere zu melden. Beobachtungen konnten auf den Meldeplattformen „Wilde Nachbarn“ (in der Deutschschweiz) und „Nos voisins sauvages“ (in der Romandie) gemeldet werden, ebenso auf der Meldeplattform StadtWildTiere. Parallel dazu wurden Aufrufe auf den Plattformen ornitho.ch und Webfauna lanciert, Beobachtungen zu melden.

Als zweite Methode kam die Methode der Spurentunnel zum Einsatz. Dafür wurden Stichprobenquadrate von 1 km2 über die Schweiz verteilt ausgeschieden, für welche in den letzten 10 Jahren keine Igelbeobachtungen registriert waren. Im Rahmen eines Citizen Science-Projekts wurden mit Unterstützung von Freiwilligen je 10 Spurentunnel pro Stichprobenquadrat aufgestellt und während 5 Tagen täglich kontrol­liert.

Einsatz von vielen Freiwilligen

Zwischen Mai und Ende August 2018 gingen 1813 Meldungen von Igelbeobachtungen auf den Melde­plattformen wildenachbarn.ch und nosvoisinssauvages.ch für die Schweiz ein. Dank des engagierten Ein­satzes vieler Freiwilligen konnten 1560 Spurentunnel betreut werden. In 284 der 1440 Spurentunnel (19%) konnten Igelnachweise erbracht werden.

Die Resultate des Projekts „Igel gesucht“ zeigen, dass Igel noch in vielen Teilen der Schweiz vorkommen und einige Lücken in der Verbreitungskarte durch gezielte Aufrufe geschlossen werden konnten. Die Resultate zeigen zudem, dass Igel vermehrt in Siedlungsnähe vorkommen.

Schweizer Karte mit Untersuchungsgebieten mit Igelnachweisen (grün) und ohne Igelnachweise (rot).
Nächste Schritte

In einem nächsten Schritt sollen die Daten der Igelbeobachtungen und Spurentunnelnachweise weiter ausgewertet werden. Insbesondere Auswertungen der Lebensraumparameter der Gebiete mit Igelnachweisen können Hinweise bezüglich der Lebensraumansprüche der Igel geben. Auswertungen der Quadrate ohne Igelnachweise können Hinweise für die Faktoren geben, welche für das Fehlen der Igel verantwortlich sein könnten.

Igel trinkt an einer Wasserschale.

Artporträt

Erinaceus sp.