Direkt zum Inhalt

Neue Studie "Lebendige Nacht: Wildtiere in der nächtlichen Stadtlandschaft"

, Sandra Gloor
Der Artenreichtum nachtaktiver Wildtiere im Siedlungsgebieten ist gross. Er steht jedoch durch die zunehmende Belastung mit Kunstlicht unter Druck. Dazu wurde eine neue Studie publiziert, welche im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt BAFU von der Forschungs- und Beratungsgemeinschaft SWILD in Zusammenarbeit mit der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL durchgeführt wurde. Sie hat untersucht, wie sich die Bedürfnisse von Menschen und Wildtieren bei nächtlichem Kunstlicht besser vereinbaren lassen.

Der Artenreichtum nachtaktiver Wildtiere im Siedlungsgebieten ist gross. Dieser steht jedoch durch die zunehmende Belastung mit Kunstlicht unter Druck. Im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt BAFU hat die Forschungs- und Beratungsgemeinschaft SWILD zusammen mit der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL untersucht, wie sich die Bedürfnisse von Menschen und Wildtieren bei nächtlichem Kunstlicht besser vereinbaren lassen.

Künstliches Licht in der Nacht nimmt zu

Die Siedlungsräume und Infrastrukturen der Schweiz dehnen sich aus und bewirken eine zunehmende Zersiedelung der Landschaft. Damit einher geht die künstliche Beleuchtung, die seit Jahren zunimmt. Siedlungsräume sind jedoch auch Lebensräume für viele Wildtiere, darunter auch solche, die für den Naturschutz von Bedeutung sind. Kunstlicht ist ein Faktor, der sowohl Wildtiere als auch Menschen in Siedlungsräumen massgeblich negativ beeinflussen kann. 

Eingangsbereiche und Treppenhäuser sind oft die ganze Nacht hell beleuchtet und streuen Licht in die Umgebung.
Die Beleuchtung sollte so geplant werden, dass nur dort beleuchtet wird, wo das Licht gebraucht wird und nur dann, wenn es nötig ist.
Viele nachtaktive Wildtiere sind auf Dunkelheit angewiesen

Während immer klarer wird, dass zu viel Kunstlicht der menschlichen Gesundheit schadet, ist die Beeinträchtigung von Wildtieren durch Kunstlicht erst ansatzweise erforscht. Die Mehrzahl unserer einheimischen Wildtiere ist nachtaktiv und viele dieser Arten brauchen die Dunkelheit, um zu überleben. Bisher werden die potenziellen Konflikte zwischen den Bedürfnissen und Wünschen der Bevölkerung im Siedlungsraum und den Bedürfnissen der nachtaktiven Wildtiere jedoch selten berücksichtigt.

Städteübergreifendes Projekt: Reaktion von Menschen und Wildtieren auf Kunstlicht

In einem Projekt hat SWILD zusammen mit der Gruppe Sozialwissenschaftliche Landschaftsforschung der eidgenössischen Forschungsanstalt WSL im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt BAFU eruiert, wie verschiedene Bevölkerungsgruppen gegenüber nachtaktiven Wildtieren und Nachtdunkelheit eingestellt sind und welche Massnahmen zur Reduktion von Kunstlicht bevorzugt werden. Zudem haben wir in einer ökologischen Untersuchung die Zusammenhänge zwischen Kunstlicht und dem Vorkommen sowie der Aktivität von nachtaktiven Wildtieren untersucht. Dabei standen zwei ökosystemrelevante Artengruppen im Fokus: Fledermäuse und Kleinsäugetiere. Das Projekt fand in den drei Schweizer Städten Lausanne, St. Gallen und Zürich statt. Dabei flossen auch Daten aus den Beobachtungsmeldungen und Felddaten aus den StadtWildTiere- und Nos voisins sauvages-Projekten ein.  

Die seltene Mückenfledermaus, die im Projekt nachgewiesen werden konnte, ist sehr lichtempfindlich.
Die lichtempfindliche Wasserspitzmaus profitiert von dichten Strukturen wie dichten Hecken und Asthaufen, die sie vor Licht schützt und dunkle Bereiche schaffen.
Nachttiergemeinschaft artenreich, aber durch Kunstlicht eingeschränkt

Die Artenvielfalt in den untersuchten Siedlungsräumen war in dieser Studie generell hoch. Allerdings wurden grossen Abschnitte der untersuchten Siedlungsräume nur von lichttoleranten Arten, wie beispielsweise Zwergfledermäusen, genutzt. Und selbst diese waren ab einer gewissen Kunstlichtintensität in ihrer Raumnutzung eingeschränkt.

Lichtsensible Arten, wie beispielsweise Langohrfledermäuse, konnten in der Untersuchung in den stark von Licht belasteten Gebieten der Stadt nicht nachgewiesen werden. Kleinsäuger, wie Spitzmäuse und Mäuse, suchten nachtdunkle Nischen als Lebensraum. Sie waren auf Standorte beschränkt, die durch Strukturen wie Büsche, Hecken, Stauden und hohe Wiesen vor Licht geschützt waren.

Stadtbevölkerung befürwortet Reduktion von Kunstlicht

Knapp die Hälfte der Befragten war der Meinung, dass es zu viel Kunstlicht gibt. Sie standen Massnahmen zu dessen Reduktion grundsätzlich positiv gegenüber. Die Akzeptanz für verschiedene Massnahmen zur Reduktion von Lichtemissionen variierte jedoch. So wurde der Einsatz von Bewegungsmeldern in der Regel besser akzeptiert als das vollständige nächtliche Abschalten von Strassenleuchten. Für die Umsetzung von Massnahmen zur Reduktion von Kunstlicht sieht die Bevölkerung die Verantwortung bei den Gemeinden und Kantonen und übersieht damit die eigenen Handlungsmöglichkeiten als Privatpersonen.

Oft werden Wohnquartiere hell beleuchtet. Eine Reduktion der Lichtintensität und eine gezielte Steuerung des Lichts über Bewegungssensoren können die Lichtverschmutzung erheblich reduzieren.
Handlungsempfehlungen vorhanden, aber Umsetzung hapert

Beleuchtungen müssten bereits heute so weit begrenzt werden, wie dies technisch und betrieblich möglich und tragbar ist. Der Bund hat dafür mit dem 7-Punkte Plan klare Handlungsempfehlungen formuliert. Oft werden diese Richtlinien und Empfehlungen jedoch nicht berücksichtigt und vielfach gibt es Probleme bei der Umsetzung. In vielen Fällen würde eine weitere Reduktion von nächtlichem Kunstlicht und eine Förderung der Vegetationsstrukturen in Siedlungsräumen die Lebensraumqualität sowohl für die Stadtbevölkerung als auch für Wildtiere verbessern.

In einem Faktenblatt (auf deutsch und französisch) werden der Handlungsbedarf sowie Handlungsempfehlungen aufgezeigt. Reduktionsziele für Kunstlicht sollen definiert und periodische Verbesserungen – auch bei bereits bestehenden Infrastrukturen – realisiert und ausgewiesen werden. Handlungsbedarf besteht sowohl im privaten als auch im öffentlichen Raum: Es braucht eine Sensibilisierung für die Probleme, planerische Instrumente und Erfolgskontrollen.

Weitere Informationen zum Projekt und den Bericht zum Download finden Sie bei SWILD.